Aller-Zeitung vom 03.05.2008

Wenn der Fisch nicht beißt, ist der Angler hilflos

Tausende Angler starten jetzt im ganzen Landkreis in die neue Saison. Auch der Sassenburger Angelsportverein ist mit dabei: Rund 20 seiner Mitglieder trafen sich am Bitumensee zum Anangeln. Die AZ war auch mit dabei.

„Sitzen und abwarten. Stundenlang“ – mit dieser kurzen Formel beschreibt Sassenburgs ASV-Sportwart Dirk Meier sein heiß geliebtes Hobby. Er weiß: „Alles hängt vom Mitspieler Fisch ab. Wenn er nicht beißen will, sitzt man hilflos am Ufer.“ Für Meier verliert das Angeln dann sein größtes Plus: die Ruhe. „Mich macht es nervös, wenn die Fische sich nicht blicken lassen.“ Schließlich geht der Angelsportler zum See, um etwas zu fangen – nicht um bloß herumzusitzen. Doch die ASV-Mitglieder sind beim Saisonauftakt genau dazu verdammt. Dabei hat der See einiges zu bieten. Meier zählt auf: Karpfen, Schleie, Aal, Hecht, Zander und Barsch. Die Raubfische haben allerdings noch Schonzeit. „Sie haben noch nicht abgelaicht“, erklärt Meier. Wer einen der Burschen fängt, setzt ihn ganz selbstverständlich zurück. Das dient der Arterhaltung im See.

Meier weiß auch von anderen Sportfischern, die die Bestände vor dem Angeln künstlich erhöhen. Aber das kommt für ihn und seine ASV-Kollegen nicht in Frage: „Wenn ich die Fische erst ins Wasser setze und dann sofort wieder herausziehe, kann ich auch gleich an die Fischtheke im Supermarkt gehen.“ Misserfolge gehören zum Angeln eben dazu. „Da steckt man nicht drin. Das macht es spannend“, sagt Meier.

Das findet auch Andre Helms. Der Zwölfjährige angelt seit zwei Jahren im Sassenburger Verein. Vorher hat er bei seinem Vater Thomas zugeschaut. Der freut sich, dass der Sohn das Hobby teilt. Andre ist wie fast alle beim Saisonauftakt auf Karpfen aus – die mögen gerne Mais. Barsche und Aale stehen auf Würmer, Maden sind ein Allround-Köder. Und für Hechte sollte es am besten ein frischer Köderfisch sein.

Karpfen sind da nicht ganz so wählerisch. „Einfacher Dosenmais reicht völlig“, weiß der Zwölfjährige. Die Angel wirft er mehrmals aus. „Ich weiß ja nicht genau, wo die Fische sich verstecken“, erklärt er. Ein Angler müsse sich eben herantasten. Dabei bleibt es für die ASV-Mitglieder auch an diesem Vormittag. „Niemand hat etwas gefangen“, berichtet Thomas Helms nach rund vier Stunden. Halb so schlimm für die 20 Sassenburger: Statt Fisch aus der Pfanne gibt es eben Bratwurst vom Grill.

Von Ron Niebuhr